Minarveia
In Minarveia ist Licht keine Gnade und Dunkelheit keine Sünde. Es sind Urkräfte, die im unerbittlichen und stetigen Kampf miteinander stehen. Ihr Kampf erzeugt Reibung, Funken, Feuer und Leid. Diesem Kampf sind die Menschen ebenso wie die Götter und alle anderen Wesenheiten unterworfen. Der Krumme wacht dabei über die Scherben jener, die am Kampf zerbrechen. Diese Welt ist kein Ort, an dem es Helden in schillernder Rüstung und ihre Feinde mit Staub bedeckt gibt. Es ist eine Welt, in der alles um seine Existenz und sein Überleben kämpft. Hier liegt die Schönheit in den Narben und die Wahrheit im tiefsten Schwarz.
Was ist Minarveia?
Der Subkontinent Minarveia befindet sich auf einer Welt, geschmiedet aus zwei Gegensätzen: das versengende Licht der Sonne und die unergründliche Dunkelheit der Machia. Das Licht ist nicht die alleinige Gnade und die Machia die verderbende Sünde. Sie sind Kontrahenten in einem Kampf um weiter existieren zu können, ohne die Bedrohung des anderen.
Wie ihre Welt, so sind ihre Völker tief gespalten. Viele bekämpfen einander im Glauben, dass ihre Ansicht richtig ist, einige leben über ihre Stränge hinweg, während die meisten nur versuchen zu überleben. Die Welt ist von einer rauen Brutalität, ungeschönt und birgt Gefahren mit jedem Schritt. Es ist unwichtig, ob es die insektoiden Monster mit ihren Tunneln unter den Füßen der Zivilisationen sind, die jederzeit aufbrechen können, um ahnungslose Opfer zur Nahrung zu degradieren. Irrelevant, ob es die bleiche Königin mit ihren treu ergebenen Untoten in einem sonst menschlichen Reich oder der gebrochene König mit seinen Flüsterern im Dunkeln auf der Suche nach seiner eigenen Antwort ist, die ihn auf andere Ebenen führt.
Es geht um den nächsten Tag, den nächsten Augenblick, den nächsten Atemzug. Es geht um das Überleben.
Die Bedrohung findet ihren Höhepunkt in der fünf Tage andauernden Dunkelheit, die sich über Minarveia legt. Dieses wiederkehrende Ereignis hüllt die Welt in einen Mantel der Angst. Wo zuvor nur Gefahren drohten, sind sie nun gewiss. Kein Licht ist mehr am Himmel zu sehen, verursacht durch den Schatten des schwarzen Mondes. Dieser ist entstanden aus der Niederkunft einer fremden Göttin. Ihre Ankunft ist verbunden mit einer tiefen Kluft, einer Wunde. Nie wird sie verheilen und stets strömt neue Gefahr aus ihr. Sie ist das Tor, aus dem die Armeen der Machia sich gegen das eindämmende Licht versuchen zu erwehren.
Wer in dieser Welt Erlösung in der Göttlichkeit sucht, der wird sie dort finden, aber nicht ohne einen Preis. Die Anhänger des Lichts mit der Fähigkeit der Heilung erliegen ihrer blinden Wut auf die Machia, während die Machia auf ihre Weise nach Kämpfern sucht, die sie gegen die Invasion des Lichts verteidigen. Kehrt man sich ab von diesen Urmächten, wird man ein Götterpantheon finden, welches nicht anders ist als seine Untergebenen. Gezeichnet durch Verrat und Konflikte ringen sie nach Aufmerksamkeit. Den Menschen sind sie überlegen. Doch sie sind ebenso abhängig von ihnen, wie die Menschen es von ihren Göttern sind.
Über all dem droht der Krumme, in seiner Gramtiefe sitzend, ungewollt Schöpfer und damit Herr des Leids. Er ist eine urtümliche Macht, die kein Sterblicher und kein Gott greifen kann. Seine Hand ist ultimativ und doch ist er nur ein weiteres Opfer seiner eigenen Schöpfung. Er ist die oberste Wesenheit eines Systems, welches tief verwurzelt nach einem Ausweg sucht, dem ewigen Kreislauf zu entrinnen und nicht ausgelöscht zu werden. Aber ist das Leben überhaupt das Leiden wert?
